Hier beginnt, was du nicht ahnst
Im Anfang gab es eine Heerschar Götter, die sich erlaubten, etwas Großes zu tun, etwas, das lange warten sollte, etwas, das noch nie erdacht worden war. Und sie versammelten sich in ihrem prächtigen Konzertsaal und nahmen sich jeder ein Musikinstrument zur Hand, um einen epischen Ton zu spielen, sich einzustimmen auf das, was kommen mag.
Und so spielten sie einen ersten, anfangs zarten Ton, dann jedoch einen satten Akkord. Ein Orchester, bestehend aus einer Geige, einem Piano, einer Laute, einer Pauke und vielem mehr, das den Raum hätte mit diesem einen Grundton erfüllen können. Und sie fanden es gut so.
…
Stellt euch vor, eine Menge Hirnis gehen durchs Leben, wandeln durch Raum und Zeit und finden sich total klasse und begegnen je nur denen und leihen jenen Ohr, die das, was sie tun ebenfalls KLASSE finden.
Und alles, was sie sich jemals zu erzählen hätten, wäre, wie gut und richtig alles sei. Stellt euch vor, diese Wesen kennen nur diesen Weg, stellt euch vor: Endlos langes Gerede, keine Kritik, keine Reibung, ewig, ewige Zeiten, Selbstgefälligkeit und bescheidenes leuchten in den Weiten des Gleichmutes.
So ungefähr kann man sich die endlose Harmonie im Gleichklang eines einzigen Akkordes vorstellen.
Aber wo war ich?
Was tat ich, habt ihr euch sicherlich inzwischen gefragt? Nun, ich war draußen, in der Leere, war versunken im Nichts, in der Finsternis, genoss die Stille und kratzte mich am Kopf.
Ich träumte.
Plötzlich schlich sich etwas Ungekanntes und doch Vertrautes in mein Lager, etwas, das mein Wesen verlangte, etwas, das nach Bedeutung und Wachstum schrie. Es war ein Geräusch, ein Mono-Ton, ein Dings, ich konnte es nicht sehen, ich konnte es nicht anfassen, ich konnte aber fühlen, dass es Kacke war.
Ich konnte aber auch verstehen, dass es einsam war. Und so folgte ich ihm und es führte mich zurück zu meinem Ursprung, zurück in die Ordnung, zu den Brüdern und Schwestern, die immer schon alles richtig machten.
Ich fühlte, dass ich jetzt einmal auch etwas richtig machen sollte.
Also stürmte ich in den Konzertsaal und schmiss alle Instrumente um. Frauke an der Pauke kriegte auf die Schnauze, alle anderen ließen die Instrumente fallen und guckten blöd. Stille und ein kleines Hintergrundrauschen.
Und endlich, ein lauter Knall, ein Grollen, ein Donnern, ein episches Gewitter und ich entließ die einsame Melodie in die Freiheit. Es waren neue Töne geboren, viele Melodien entstanden, und es ging das los, was ihr das Leben nennt, es war die Evolution.
Es begann das, was grün, blau, rot, schillernd ist, schwarz, das, was Zerstörung und Aufbau sein darf, das, was Freude ist und Andacht im Angesicht des unumstößlichen Wandels durch alle Gezeiten.
Es begann, was sein sollte, das, was Rock’n’Roll werden wird, das, was ihr seid, was ihr fühlt, was ihr sagt, das, was ihr jetzt gerade macht oder sein lasst.
Es begann die tiefe Einsicht, dass es den Irrtum braucht um eine wahre göttliche Melodie entstehen zu lassen. Es war die Geburtsstunde dessen, was ihr den freien Willen nennen würdet.
Und so gelang ein Klang, ein Kind,
das aus der Zeit gefallen schien.
Ein Wesen, in dem die Unschuld zu wohnen schien,
das Schönste, das Reinste,
das jedurch die Weiten des Seins schritt.
Keine Flamme des Zorns
oder Kritiker,
der sich an Fehlern weidete.
Nein,
dies Kind sah die Welt mit Augen,
die alles zum ersten Mal erblickten,
als wäre jeder Morgen ein Wunder,
das leise flüsterte:
„Sieh her, sie nur
hier ist noch mehr Schönheit,
noch mehr Staunen.“
Wieviele Zeichen sind es?

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